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Um 1432 hatten Portugals Seefahrer die Azoren erreicht, tausend Meilen westlich von Portugals Küste. Doch jenseits lag nur die weite Unendlichkeit der Meere mit wütenden Stürmen, heftigen Winden und starken Strömungen aus dem Westen. Hier also konnte der Weg nach Indien nicht liegen, vielmehr mußte er sich an der Küste Afrikas südwärts finden lassen. Und dahin sandte Prinz Heinrich seine Schiffe aus.
Schier unüberwindlich schien Kap Bojador, weniger als tausend Meilen südlich von Sagres. Auf den Seekarten kaum zu erkennen, bedeutete dieser Küstenvorsprung auf der Höhe der Sahara die Grenze der geographischen Kenntnisse jener Zeit und der Beginn mythischer Geschehnisse: Hier nämlich beginne die sagenhafte Region der Ungewißheit, das absolute Nonplusultra an den Grenzen der Welt.

Greuelmärchen über die Beschaffenheit des Meeres entlang der westafrikanischen Küste wurden überdies auch von den Arabern kräftig - und nicht ganz uneigennützig - geschürt: Hinter den wilden Strudeln und dichten Nebelbänken erstrecke sich das Meer der Finsternis. Magnetbogen, geronnenes Meer und eine Unzahl anderer Schwierigkeiten erwarteten die Seefahrer. Überdies sei die Hitze so stark, daß sie jeden Menschen schwarz werden lasse. "Jenseits von hier" schreibt Azurara, ein zeitgenössischer Chronist, "gibt es weder Menschenwesen noch Behausung, das Land ist trockener als die Wüste von Libyen: Kein Wasser, kein Baum, kein Strauch und die seichten Gewässer selbst meilenweit vor der Küste nur ein Faden tief, mit widrigen Strömungen, so schrecklich, daß kein Schiff, das einmal das Kap umsegelte, je zurückkehren könnte." |
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Den ersten wirklich großen Erfolg für die portugiesische Seefahrt brachte also das Jahr 1432, als die Schiffe von Prinz Heinrich die Inselgruppe der Azoren entdeckten, 1.000 Meilen westlich von Portugal im Atlantik. Genaue Details über diese portugiesische Entdeckung fehlen, aber das ganze Unternehmen ist erstaunlich, denn entgegen der üblichen Order, das Kap Bojador zu umrunden, löste sich Gonçalo Velho von der Küste Afrikas und segelte westwärts, wo er - zufällig? - auf die Inselgruppe der Azoren stieß. Man vermutet, daß schon 1427 ein anderer Seefahrer vor ihm die Inseln entdeckt hatte und daß diese jetzt durch Gonçalo Velho dem Besitz der portugiesischen Krone auch offiziell zugefügt werden sollten.
Zufall oder Absicht - mit Erfolg. Bis in die jüngste Vergangenheit sind die Azoren portugiesisch geblieben.
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Neunzehn Jahre lang hatte Heinrich Schiff um Schiff in den Süden gesandt mit dem Befehl, das Kap zu umsegeln und den Seeweg nach Indien zu finden. Immer wieder hatte die Besatzung die vorzeitige Rückkehr erzwungen. Bis einer weitersegelte, mutiger als alle anderen: Gil Eanes, der Bezwinger der Mythen von Kap Bojador.
Von seinem Leben ist wenig bekannt. Geboren um die Jahrhundertwende in Lagos, muß er schon in jungen Jahren in jener Flotte mitgesegelt sein, die unter dem Kommando von Prinz Heinrich Ceuta eroberte, und er war Zeuge der triumphalen Heimkehr von João Gonçalves Zarco aus Madeira.
1432 war auch Gil Eanes wie viele vor ihm zunächst umgekehrt. Kaum kam das Kap beim ersten Mal in Sicht, weigerte sich seine Mannschaft, es zu umrunden. Sie sahen die kochenden Wasser und vom Mastkorb aus war deutlich zu erkennen, daß ungeheuerliche Strudel sie in die Tiefe ziehen würden. Kochende See, widerlaufende Strömungen - der Untergang schien gewiß.
Gil Eanes war Edelmann, nicht Navigator, Höfling, nicht Seemann. Noch nicht erfahren genug in der Seefahrt, begriff er diese seltsamen Erscheinungen nicht und kehrte um. Man kann sich die Enttäuschung des Prinzen vorstellen.

"Aber die See kochte wirklich!" mochte der Höfling sich verteidigt haben, "Sah ich es doch mit eigenen Augen." - "Sie kochte nicht, sondern bewegte sich in Ebbe und Flut über Sandbänke und Untiefen. Habt Ihr das nicht an unseren eigenen Küsten schon viele Male gesehen?" mochte Heinrich seinem Vertrauten erklärt haben, und: "Ihr könnt keine so große Gefahr antreffen, daß die Hoffnung auf Wiederkehr nicht größer sein darf. Fahrt also zu und kümmert Euch nicht um das Gerede, sondern steuert drauf los, soweit Ihr könnt und mit Gottes Gnade könnt Ihr von dieser Fahrt Ruhm und Vorteil erwerben."
Der Prinz wurde diesmal entgegen seiner Gewohnheit ungewöhnlich scharf und gab seinem Kapitän den kategorischen Befehl, erneut in See zu stechen mit dem ernstgemeinten Rat, sollte er das Kap auch diesmal nicht bezwingen, Portugal zu seinem eigenen Besten für den Rest seines Lebens zu meiden.
So setzte Gil Eanes 1432 erneut die Segel, das gefürchtete Kap zu bezwingen, diesmal mit einer neuen Mannschaft und mit einer robusten "Barca", einem Einmaster mit quadratischem Segel. Und als er die kochende See mit ihren Untiefen erblickte, umsegelte er sie, gerade so, wie es Prinz Heinrich befohlen hatte. Er stieß noch rund 150 Seemeilen die Küste entlang nach Süden vor. Der Infant war überglücklich, schlug Gil Eanes nach seiner Rückkehr zum Ritter und erhob ihn in den Adelsstand.
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Wenig nur ist über Bartolomeu Dias Leben bekannt, der einen hervorragenden Platz im illustren Kreis der portugiesischen Entdecker einnimmt. Ihm gelang es als erstem, das Kap der guten Hoffnung zu umrunden und damit den Seeweg nach Indien zu öffnen. Die Reise der kleinen, nur 18 m langen Karavelle, ist eine der bemerkenswertesten Leistungen in der Geschichte der Seefahrt.
Im August 1487 verließ Bartolomeu Dias Lissabon mit zwei Karavellen, einem kleinen Versorgungsschiff und mit einer Besatzung von etwa 60 Mann und einigen afrikanischen Eingeborenen, die ihm als Dolmetscher dienen sollten.
Im damaligen portugiesischen Stützpunkt Mina an der Goldküste wurden die Vorräte ergänzt und im Süden des heutigen Angola das Versorgungsschiff mit neun Mann Besatzung zurückgelassen.
Unter widrigen Winden versuchte Dias zunächst die Küste entlang südwärts zu segeln, nahm dann aber Kurs Südwest in der Hoffnung, irgendwann auf günstigeren Wind zu treffen. Vier Wochen lang kämpften sich die kleinen Schiffe Seite an Seite durch die brüllende See und eisige Winde. Auf der Höhe von 40° S drehten sie Nordwest und erblickten zum ersten Mal wieder Land an der heutigen Fish Bay, in der sie ankern, wegen der rauhen See aber nicht an Land gehen konnten.
In der heutigen Mossel Bay betraten sie zum ersten Mal wieder festen Boden, konnten sich jedoch mit den Eingeborenen nicht verständigen. So segelten sie weiter, bis sich die Küste zum Norden wandte. Dies und die starke warme Strömung gab ihnen die Gewißheit, den Indischen Ozean erreicht zu haben.

Hier weigerte sich die Mannschaft, weiter ins Unbekannte zu segeln und gegen seinen Willen war Bartolomeu Dias gezwungen, die Rückreise anzutreten, auf der er nun die Küste sorgfältig beobachtete und Aufzeichnungen machte, die er König Johann II vorlegen wollte.
Am 6. Juli schließlich erblickten sie zum ersten Mal "jenes große und bemerkenswerte Kap, welches sich Jahrhunderte lang verborgen hielt und das, als es nun entdeckt wurde, eine ganze neue Welt eröffnete."
Als sie neun Monate später ihr Versorgungsschiff wieder erreichten, lebten nur noch drei der ehemals neunköpfigen Besatzung, die anderen hatten bei Kämpfen mit den Eingeborenen oder durch Krankheit ihr Leben verloren.
Sie nahmen die Überlebenden an Bord, verbrannten das zurückgelassene Schiff und setzten die Rückreise fort. Nach 17 Monaten und 16.000 Meilen trafen sie schließlich im Dezember 1488 im Hafen von Lissabon ein.
Aus unerfindlichen Gründen verweigerte König Johann II Bartolomeu Dias und seiner Mannschaft die verdiente Anerkennung für eine Leistung, die ihresgleichen sucht. Unter extrem schwierigen Bedingungen, ohne Schutz vor widrigen Wetterbedingungen, Hitze und Kälte, halb verhungert, ohne die Möglichkeit, Vorräte zu ergänzen und Reparaturen vorzunehmen, ohne andere Navigationshilfen als den Quadranten, dem Astrolabum und dem Lot segelten die Seeleute in unbekannten Wassern einem unbekannten Ziel entgegen. Sie suchten Schutz in den Buchten des südlichen Afrika vor gigantischen Wellenbergen und wütenden Stürmen, die von einer Minute zur anderen losbrechen konnten. Fast ohne Verbindung miteinander segelten die beiden Karavellen Tag und Nacht, trotzten Wind und Wetter und kehrten gemeinsam nach mehr als anderthalb Jahren nach Lissabon zurück.
Bartolomeu Dias überreichte König Johann II seine detaillierten Aufzeichnungen und erwähnte, daß er dem Kap an der Spitze Afrikas den Namen "Kap der Stürme" gegeben hatte. König Johann II überlegte kurz und entschied: "Nein, es soll Kap der Guten Hoffnung' heißen".
Dias half Vasco da Gama bei den Vorbereitungen zu dessen Reise 1497 nach Indien und befehligte ein Schiff in der Flotte von Pedro Álvares Cabral, der 1500 Brasilien entdeckte. Auf dem Kurs zum Kap der Guten Hoffnung sanken in einem plötzlich aufgekommenen Sturm vier Schiffe und Bartolomeu Dias fand hier sein Seemannsgrab.
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Es war ein Volksfest, als Vasco da Gama am 8. Juli 1497 im Hafen von Lissabon die Anker lichtete und zu einem der größten Seeabenteuern jener Zeit aufbrach. "São Gabriel", " São Rafael", " São Miguel" und das Versorgungsschiff die "Bérrio" gehörten zu der Flotte, welche die 27.000 Seemeilen lange Reise nach Indien in Angriff nimmt.
Schon nach einer Woche "... kamen wir in Sicht der Kanarischen Inseln und fuhren in derselben Nacht an Lanzarote vorbei". Problemlos umschiffen sie das ehemals gefürchtete Kap Bojador und legen schon einige Tage später auf den Kapverdischen Inseln ihre erste Pause ein, um die Vorräte zu ergänzen und notwendige Reparaturen vorzunehmen.
Vasco da Gama löst sich von der Küste, segelt auf direktem Kurs gen Süden und ist damit für einige Zeit näher an Brasilien als an Afrika. Auf der Höhe des heutigen Namibia nehmen sie Kurs auf Südosten und am 4. November kommt die namibische Küste in Sicht. Die Mannschaft dankt in einer Feststunde ihrem Kommandanten, der sie so sicher bis hierher geführt hat. Kurz darauf gehen die Schiffe in der Bucht von St. Helena vor Anker. In zwei Monaten haben sie 5000 Seemeilen ohne Landgang überwunden. Bis hierher hat Vasco da Gama noch keinen Mann verloren.
Die Schiffe müssen dringend überholt werden. Beim Landgang treffen Erkundungstrupps auf Einheimische. "... In diesem Land wohnen Menschen von brauner Hautfarbe... Das Land macht einen sehr gesunden Eindruck, hat ein gemäßigtes Klima und einen guten Graswuchs."
Nach einer Pause von 10 Tagen geht es ausgeruht an die Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung. Sechs Tage dauert der Kampf mit brüllenden Stürmen und haushohen Wellen. Am 2. November erreicht die Flotte Mossel Bay, wo die "Bérrio" planmäßig entladen und verbrannt wird.

Die Begegnung mit den Einheimischen verläuft erfreulich. "Sogleich fingen sie an, Flöten zu spielen, und die einen spielten hoch und die anderen tief, so daß es sehr schön zusammen klang, und dazu führten sie einen Negertanz auf. ...und wir tanzten in den Bohlen, und der Kommandant tanzte auch mit uns." Ein fetter Ochse am Spieß rundet das fröhliche Fest ab.
Am Weihnachtstag wird die Reise fortgesetzt. Die Wasservorräte werden knapp, die Männer leiden unter Skorbut, immer wieder muß die Küste angesteuert werden. Die Reise verläuft im Zickzack-Kurs. Nach zwei Monaten erreicht die Flotte Mocambique, der südlichste Vorposten arabischer Zivilisation an der Ostküste Afrikas. Vasco da Gama macht dem Sultan seine Aufwartung. Unseligerweise hat er als Gastgeschenk nur billigen Plunder im Gepäck, den der Sultan als Affront empfindet. Die Portugiesen verabschieden sich unter Kanonenschüssen.
In Mombasa geraten sie in die Feiern zum Ende des Ramadan und werden als Türken willkommen geheißen. Als die Gastgeber ihren Irrtum bemerken, ändert sich ihr Verhalten und die Gäste segeln flugs weiter nach Norden.
In Malindi werden sie freundlich empfangen und dürfen ihre Vorräte aufstocken. Hier trifft Vasco da Gama zum ersten Mal auf indische Seeleute, die er auf sein Schiff bittet. Vor dem Marienbild des Schiffsaltars werfen sie sich zu Boden. Die Portugiesen glauben, Christen vor sich zu haben, in Wirklichkeit sind sie Hindus, die sich vor dem vermeintlichen Bild einer ihrer Göttinnen verneigen.
"Wir lagen neun Tage vor Melinde, und in diesen neuen Tagen gab es auf dem Festland eine fast ununterbrochene Folge von Festen, Ritterspielen und Schaukämpfen zu Fuß, die allesamt von lärmender Musik begleitet wurden."
Am Sonntag, dem 20. Mai 1498 nähert sich die Flotte der Küste Indiens. Ein Jahrhunderte alter Traum geht in Erfüllung. Vasco da Gama hat erreicht, was Columbus schaffen wollte. Ein neues Kapitel der Weltgeschichte kann aufgeschlagen werden.
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Etwa ein Vierteljahrhundert nachdem Kolumbus vergeblich versucht hatte, von Europa aus in westlicher Richtung nach Indien zu segeln, startete der in den Diensten der spanischen Krone stehende portugiesische Seefahrer Fernão de Magalhães zu einer Entdeckungsfahrt, die dem gleichen Zweck dienen sollte.
Im September 1519 brach Magalhães mit einer Flotte von fünf Schiffen vom südspanischen Sanlucar in Richtung Südamerika auf. Im Oktober 1520 durchfuhr er die später nach ihm benannte Meerenge im Süden des Kontinents. Im folgenden Monat begann er mit der Überquerung eines Meeres, dessen Wasser ihm ruhig erschienen und das er deshalb Pazifik nannte.
Auf der vier Monate dauernden Fahrt gingen die Vorräte aus und noch bevor Guam erreicht wurde, blieb der hungernden Mannschaft keine andere Wahl, als Ratten und das Tauwerk der Segel zu essen. 1521 landete Magalhães auf einer der Inseln der Philippinen, wo er im Kampf mit Eingeborenen getötet wurde. Nach weiteren dreizehn Monaten kehrte ein einziges Schiff der Expeditionsflotte an die Küste Spaniens zurück: Seine Besatzung bestand nur noch aus achtzehn Mann! |
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Die "Catrineta" lebt in der portugiesischen Mythologie, aber die Geschichte um das Schiff hat anders als beim "Fliegenden Holländer" ein glückliches Ende gefunden.
Jedes Schulkind in Portugal lernt das lange Gedicht von der "Catrineta" und die Geschichte geht so:
Die "Catrineta", welcher die ganze Liebe und der Stolz ihres Kapitäns galt, segelte schon viele Wochen übers Meer, ohne daß Land in Sicht kam. Die Vorräte gingen zu Ende und die hungernde Mannschaft mußte das Tauwerk der Segel und die Sohlen ihrer Schuhe kauen. Jeden Tag hielten sie vom Mastkorb Ausschau, aber ringsum glitzerte nur das unendliche Meer. Eines Tages erblickte ein Seemann den Teufel an Bord, der sie alle mit sich zu nehmen drohte. Der Kapitän versuchte, sein Schiff zu retten und bot dem Teufel all sein Hab und Gut an, sein edles Pferd und die Unschuld seiner drei Töchter - in dieser Reihenfolge. All dies verschmähte Satan, war aber bereit, die Seele des Kapitän im Tausch für das Schiff anzunehmen. Seine unsterbliche Seele aber wollte der Kapitän dem Teufel keinesfalls überlassen. Wütend ließ dieser es daraufhin Nacht werden und einen gewaltigen Sturm aufkommen. Die ganze Mannschaft kämpfte betend um das Schiff. Und im ersten Morgenlicht sahen sie in der Ferne die Ufer ihres Landes schimmern. So hat der standhafte Kapitän seine "Catrineta", sein Gold, sein Pferd und seine Töchter vor dem Teufel gerettet - in dieser Reihenfolge.
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